EN ISO 11393, EN 388, EN ISO 20471, EN 343 … Diese Bezeichnungen stehen auf den Etiketten persönlicher Schutzausrüstungen (PSA). Doch was bedeuten sie eigentlich?
Was sagt eine Schutzklasse aus? Worin unterscheiden sich Schnittschutzhosen vom Typ A und Typ C? Wie sind die Zahlen unter einem Piktogramm zu verstehen?
FRANCITAL erklärt Ihnen die wichtigsten Normen für persönliche Schutzausrüstungen im Forstbereich und bei professionellen Tätigkeiten.
Unser Ziel: die wesentlichen Informationen verständlich machen, damit Sie die passende Ausrüstung für die tatsächlichen Gefährdungen am Arbeitsplatz auswählen können.
Mit der CE-Kennzeichnung erklärt der Hersteller, dass sein Produkt die geltenden europäischen Rechtsvorschriften erfüllt.
Für persönliche Schutzausrüstungen ist die Verordnung (EU) 2016/425 maßgeblich.
Sie legt die grundlegenden Gesundheitsschutz- und Sicherheitsanforderungen fest, die PSA vor dem Inverkehrbringen auf dem europäischen Markt erfüllen müssen.
Nicht ganz.
Die CE-Kennzeichnung ist eine gesetzlich vorgeschriebene Konformitätskennzeichnung. Je nach PSA-Kategorie kann das Konformitätsbewertungsverfahren die Beteiligung einer unabhängigen notifizierten Stelle erfordern.
PSA werden in drei Kategorien eingeteilt:
| Kategorie | Risikoniveau | Beispiel |
|---|---|---|
| I | Geringfügige Risiken | Bestimmte Ausrüstungen zum Schutz vor nicht extremen Witterungsbedingungen |
| II | Risiken außerhalb der Kategorien I und III | Hochsichtbare Warnkleidung |
| III | Risiken mit möglicherweise sehr schwerwiegenden Folgen | Schutzbekleidung gegen Schnittverletzungen durch handgeführte Kettensägen |
Wichtig: Die CE-Kennzeichnung bedeutet nicht, dass eine Ausrüstung gegen sämtliche Gefahren schützt. Prüfen Sie stets den vorgesehenen Verwendungszweck, die Schutzleistung und die Einsatzgrenzen.
Die Normenreihe EN ISO 11393 legt Anforderungen und Prüfverfahren für Ausrüstungen zum Schutz gegen Schnittverletzungen durch handgeführte Kettensägen fest.
Sie umfasst mehrere Ausrüstungsarten:
| Teil | Betroffene Ausrüstung |
|---|---|
| EN ISO 11393-1 | Prüfstand und Prüfverfahren |
| EN ISO 11393-2 | Beinschutz: Hosen, Latzhosen und andere Schutzbekleidung |
| EN ISO 11393-3 | Schutzschuhe |
| EN ISO 11393-4 | Schutzhandschuhe |
| EN ISO 11393-5 | Schutzgamaschen |
| EN ISO 11393-6 | Oberkörperschutz: Jacken und andere Kleidungsstücke |
Die Klassen entsprechen den Kettengeschwindigkeiten, die bei den genormten Prüfungen verwendet werden.
| Klasse | Kettengeschwindigkeit |
|---|---|
| Klasse 0 | 16 m/s |
| Klasse 1 | 20 m/s |
| Klasse 2 | 24 m/s |
| Klasse 3 | 28 m/s |
Nicht alle Klassen sind zwangsläufig in jedem Teil der Normenreihe vorgesehen.
Klasse 3 entspricht einer höheren Prüfgeschwindigkeit als Klasse 1.
Achtung: Diese Geschwindigkeiten beschreiben Prüfbedingungen. Sie garantieren keinen Schutz gegen eine Kettensäge, die unter realen Arbeitsbedingungen mit dieser Geschwindigkeit betrieben wird.
Schnittschutzbekleidung enthält speziell entwickelte Materialien, die die Folgen eines unbeabsichtigten Kontakts mit einer laufenden Sägekette begrenzen sollen.
Je nach Konstruktion können Schutzfasern in den Schneidmechanismus gezogen werden und dazu beitragen, die Kette abzubremsen oder zu blockieren.
Keine Schnittschutzbekleidung kann einen absoluten Schutz gewährleisten.
Das Tragen von PSA ersetzt niemals sichere Arbeitsmethoden, eine geeignete Ausbildung oder die Einhaltung der Sicherheitsanweisungen.
Die Norm EN ISO 11393-2 unterscheidet verschiedene Ausführungen des Beinschutzes.
Der Unterschied zwischen den Typen betrifft nicht die Kettengeschwindigkeit, sondern hauptsächlich die Körperbereiche, die durch das Schutzmaterial abgedeckt werden.
Typ A schützt die in der Norm festgelegten Bereiche, hauptsächlich an der Vorderseite der Beine, einschließlich der vorgeschriebenen seitlichen Erweiterungen.
Diese Ausführung wird häufig bei bodengebundenen Forstarbeiten eingesetzt, sofern die Gefährdungsbeurteilung dies zulässt.
Typ B bezeichnet eine Schutzausführung, die insbesondere für Chaps vorgesehen ist, die über der normalen Kleidung getragen werden.
Die geschützten Bereiche müssen den spezifischen Anforderungen der Norm entsprechen.
Typ C bietet eine größere Schutzabdeckung, insbesondere an der Rückseite der Beine.
Diese Ausführung kann geeignet sein, wenn die Gefährdungsbeurteilung einen erweiterten Schutz nahelegt.
Wichtig:
Die Klasse gibt die bei der Prüfung verwendete Kettengeschwindigkeit an.
Der Typ beschreibt die Ausführung und den Umfang der Schutzbereiche.
Eine Schnittschutzhose der Klasse 1 Typ C bietet daher nicht dieselbe Schutzabdeckung wie eine Hose der Klasse 1 Typ A, obwohl beide bei einer Kettengeschwindigkeit von 20 m/s geprüft werden.
Empfohlene Abbildung: Vergleich der Schutzbereiche der Typen A, B und C.
Handschuhe können gegen unterschiedliche Gefahren schützen: Abrieb, Schnitte, Weiterreißen, Durchstiche, Stöße oder Kontakt mit einer Kettensäge.
Dabei müssen allgemeine Anforderungen von Normen für bestimmte Gefährdungen unterschieden werden.
Diese Norm behandelt unter anderem Ergonomie, Unschädlichkeit, Komfort, Größen und die Informationen, die mit Schutzhandschuhen bereitgestellt werden müssen.
Sie legt für sich allein keine Leistungsstufe für Schnitt- oder Durchstichfestigkeit fest.
Die EN 388 bewertet die Leistungsfähigkeit von Handschuhen gegenüber verschiedenen mechanischen Gefährdungen.
Die Kennzeichnung kann bis zu sechs Leistungsangaben enthalten:
| Position | Bewertete Eigenschaft |
|---|---|
| 1 | Abriebfestigkeit: Leistungsstufe 0 bis 4 |
| 2 | Schnittfestigkeit bei Prüfung mit rotierender Klinge: Leistungsstufe 0 bis 5 |
| 3 | Weiterreißfestigkeit: Leistungsstufe 0 bis 4 |
| 4 | Durchstichfestigkeit: Leistungsstufe 0 bis 4 |
| 5 | Schnittfestigkeit nach EN ISO 13997: Leistungsstufe A bis F |
| 6 | Schutz gegen Stoßeinwirkungen: Buchstabe P bei bestandener Prüfung |
3: Abriebfestigkeit, Leistungsstufe 3.
2: Schnittfestigkeit bei Prüfung mit rotierender Klinge, Leistungsstufe 2.
4: Weiterreißfestigkeit, Leistungsstufe 4.
4: Durchstichfestigkeit, Leistungsstufe 4.
X: Schnittprüfung nach EN ISO 13997 nicht durchgeführt oder nicht anwendbar.
Der Buchstabe X bedeutet also nicht zwangsläufig, dass kein Schutz vorhanden ist. Er zeigt an, dass die entsprechende Leistung mit dieser Prüfung nicht bestimmt wurde.
Die EN ISO 11393-4 behandelt speziell Schutzhandschuhe für Benutzer handgeführter Kettensägen.
Sie definiert besondere Anforderungen und Schutzausführungen für diese Gefährdung.
Ein Handschuh nach EN 388 ist nicht automatisch zum Schutz gegen Schnittverletzungen durch Kettensägen geeignet.
Empfohlene Abbildung: EN-388-Piktogramm und Darstellung der Schutzbereiche von Kettensägen-Schutzhandschuhen.
Die EN ISO 20345 definiert grundlegende und zusätzliche Anforderungen an Sicherheitsschuhe.
Dazu gehört insbesondere eine Zehenschutzkappe, die einer Stoßenergie von 200 Joule und einer Druckkraft von 15 kN standhält.
Je nach Ausstattung können Sicherheitsschuhe weitere Eigenschaften aufweisen, beispielsweise Widerstand gegen Wassereindringen, Durchtrittschutz, Rutschhemmung oder Wärmeisolierung.
Die Kennzeichnungen müssen entsprechend der für das Produkt geltenden Normausgabe interpretiert werden.
Forstschuhe mit Kettensägenschnittschutz müssen zusätzlich zu den anwendbaren Sicherheitsanforderungen die spezifischen Anforderungen der EN ISO 17249 erfüllen.
Diese Norm unterscheidet drei Schutzklassen:
| Klasse | Prüfgeschwindigkeit |
|---|---|
| Klasse 1 | 20 m/s |
| Klasse 2 | 24 m/s |
| Klasse 3 | 28 m/s |
Bei der Auswahl sind neben der Schutzklasse auch Gelände, Bodenhaftung, Stabilität, Tragekomfort und Einsatzbedingungen zu berücksichtigen.
Ein herkömmlicher Sicherheitsschuh nach EN ISO 20345 bietet nicht automatisch Schutz gegen Kettensägenschnitte.
Die EN ISO 20471 legt Anforderungen an hochsichtbare Warnkleidung für Situationen fest, in denen mangelnde Sichtbarkeit ein Risiko darstellt.
Diese Kleidung kombiniert in der Regel zwei sich ergänzende Materialien.
Es verbessert die Sichtbarkeit bei Tageslicht und unter bestimmten Bedingungen mit geringer Beleuchtung.
Die genormten Farben sind fluoreszierendes Gelb, fluoreszierendes Orangerot und fluoreszierendes Rot.
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